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Trotz Blindheit treuer Leser
Langjähriger Abonnement verlor Sehkraft und liest dank „OrCam“ weiter


Offenbach Post 30.9.2017

Von Veronika Schade

Offenbach - Horst Klein hat sein Augenlicht verloren. Aber nicht seinen Lebensmut, seinen Optimismus und das Interesse an seiner Stadt. Der treue Abonnement liest unsere Zeitung trotzdem weiter – mithilfe der „OrCam“. Wir haben ihn zuhause besucht.

 

Ein fester Händedruck. Ein freundliches Gesicht, dem das Alter von 80 Jahren nicht anzusehen ist. Aber die Augen unter der abgedunkelten Brille blicken ins Leere. Horst Klein ist nahezu blind. Einen winzigen Rest schwarz-weißer Schemen vermag er noch zu erkennen. Nicht genug, um fernzusehen. Nicht genug, um ohne Hilfe einzukaufen. Schon gar nicht genug, um Zeitung zu lesen.

 

Dezenter Alltagshelfer, der Großes leistet: Horst Klein lässt sich das E-Paper unserer Zeitung von der „OrCam“ vorlesen.
(c)Foto: Schade

 

Doch genau das tut er jeden Tag. Seine Offenbach-Post hat der gebürtige und überzeugte Offenbacher seit 1962 abonniert: „Ich will doch wissen, was in meiner Stadt geschieht. Und bei den Kickers.“ Daran hat auch sein Sehverlust nichts geändert. Nur an der Art und Weise, wie er liest. „OrCam“ heißt das kleine technische Wunder, das es ihm nun ermöglicht. Das System besteht aus einem Minicomputer, den er in der Hosentasche trägt, und einer speziellen Brille. An ihr ist eine winzige Kamera befestigt. Der von ihr aufgenommene Text wird als Audiosignal über einen Bügel direkt ans Ohr übertragen. Die Frauenstimme klingt zwar etwas abgehackt, aber durchaus verständlich. Per Fingerzeig deutet er an, was vorgelesen werden soll. Nicht nur die elektronische Version unserer Zeitung, sondern zum Beispiel auch Fahrpläne oder Preisschilder im Supermarkt. „Das ist für mich ein großer Rückgewinn an Lebensqualität“, sagt er über das Gerät, das er seit August besitzt.

 

Vor fünf Jahren bekam sein Leben eine dramatische Wendung, als ihm altersbedingte Makuladegeneration (AMD) diagnostiziert wurde. „Gefühlt konnte ich damals noch normal sehen, mir war nichts aufgefallen. Aber als ich das zweite Mal an einem Straßenpfosten hängen blieb, bin ich dann doch zum Arzt gegangen“, schildert er. Da war die Krankheit schon fortgeschritten. Er bekam Medikamente und Spritzen, um den Verlauf zu verlangsamen. Eine Heilung aber war ausgeschlossen. Ein Prozent Sehvermögen ist ihm geblieben.

 

„Die ersten beiden Jahre waren vom Kopf her ganz schlimm“, erinnert er sich. Der ehemalige Netzmeister bei den Stadtwerken, der stets sportlich aktiv war, von den 70er bis Mitte der 80er-Jahre als Stadionsprecher des OFC mit den Kickers fieberte und auch heute noch glühender Fan ist, war plötzlich auf Hilfe angewiesen. Seine Lebensgefährtin war und ist eine große Unterstützung. Er gab sich nie auf, ist mittlerweile sehr selbstständig.

 

So fährt er allein mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – und sammelt dabei, wie ihm wichtig ist hervorzuheben, fast nur positive Erfahrungen: „Die Busfahrer sind sehr nett, fahren nah heran. Und die Leute stehen für mich auf, vor allem auch junge ausländische Männer und Frauen.“ Er macht sich als Blinder bemerkbar, trägt einen Stock und die Armbinde mit den drei Punkten – und rät anderen Betroffenen, offen damit umzugehen: „Nur dann können sich die Menschen darauf einstellen.“

 

Vom „OrCam“-System erfuhr er im Frühjahr auf einer Messe für Blinde und Sehbehinderte in Frankfurt. „Es ist in Deutschland noch nicht so stark verbreitet. In Offenbach bin ich wahrscheinlich der einzige, der es hat“, vermutet Klein. Viel Aufwand und Durchhaltevermögen, verbunden mit unzähligen Telefonaten, waren nötig, bis er so ein rund 3500 Euro teures Gerät sein Eigen nennen durfte. Die Abwicklung mit der Krankenkasse, die Bestellung und Auslieferung, all das dauerte. „Es war eine Nervensache“, sagt er. „Aber es hat sich gelohnt.“

 

Mit Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung an die Offenbach Post

 

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